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Erfolgsgeschichte 7 - Herr G. (48)

Mittwoch, 28. Oktober 2020

Persönliches:

  • Zivilstand: ledig
  • Kinder: keine
  • Ausbildung:dreijährige Bäckerausbildung in Deutschland, zwölf Jahre als Bäcker in Deutschland gearbeitet
  • Wie lange arbeitslos: fünf Jahre
  • Wie lange im maxi.mumm: von 2012 bis 2016
  • Wie lange wieder im ersten Arbeitsmarkt: seit vier Jahren Festanstellung zu 70 Prozent

 

maxi.mumm: Wie kam es Ihrer Arbeitslosigkeit?

Herr G.: Ich kam als Bäcker in die Schweiz, weil ich etwas Neues kennen lernen wollte. Ein Arbeitsvermittlungsbüro in Aarau konnte mir bei der Post eine Stelle anbieten. Zwei Jahre lang war ich in Olten und Härkingen in Verteilcentern tätig. Nachdem mir dort gekündigt worden war, arbeitete ich während einem Jahr als Bäcker in verschiedenen Grossbäckereien. Die unregelmässigen Arbeitszeiten waren aber nichts für mich, so wechselte ich den Job erneut und arbeitete im Hintergrund bei einem Blumenverteilcenter. Es folgten Wechsel zwischen Arbeitslosigkeit – RAV – maxi.mumm – Stellenantritt – RAV – Sozialdienst – maxi.mumm – Stellenantritt. All dies während ungefähr fünf Jahren. Im maxi.mumm arbeitete ich in den Betrieben Recycling, Gastronomie und Velolieferdienst und erhielt zusätzlich Coachings.

maxi.mumm: Was veränderte sich in Ihrem Leben mit der Arbeitslosigkeit?

Herr G.: Als ich 2008 in die Schweiz kam, lernte ich einen Freund aus Ostdeutschland kennen. Mit dem hatte und habe ich immer einen guten Kontakt. Ich konnte mir einen Freundeskreis in der Schweiz aufbauen. Die Zeit im maxi.mumm war für mich persönlich eher eine Enttäuschung. Dank der Stellenvermittlung bekam ich aber zweimal die Chance auf eine Arbeitsstelle. Aus der zweiten Chance ergab sich die Festanstellung, die ich heute noch habe. Aber unter dem Strich machte ich im maxi.mumm einfach meine Arbeit. Am Anfang war es mit dem Team gut, man übernahm Verantwortung, setzte sich füreinander ein. Mit der Zeit änderte sich das Team und dadurch verlor es auch seinen Teamgeist. Ich kümmerte mich dann einfach um meine Arbeit und fertig. Schaute auf mich. Ich teilte dies meinen Betriebsleitern nicht mit. Ich wollte meine Empfindungen in dieser Sache niemandem erzählen. Ich bin halt so, in solchen Situationen ziehe ich mich lieber zurück.

maxi.mumm: Was war Ihre Motivation, zurück in die Arbeitswelt zu wollen?

Herr G.: Ich habe Freude am Arbeiten. Diese Freude hatte ich schon als kleiner Junge. Ich lernte bei meinem Onkel und meinem Vater, was es heisst zu arbeiten. Ich habe eine Lese- und Sprachschwäche. Über die Arbeit konnte ich mir und allen im Umfeld immer beweisen, dass ich bis auf diese Schwäche alles so kann wie die anderen. Ausserdem gab mir mein Freund ebenfalls die Motivation. Er gab mir die nötige Energie, sodass ich nie aufgab. Wenn ich meine jetzige Arbeitsstelle nicht hätte, würde ich wahrscheinlich wieder nach Deutschland zurückgehen.

Im maxi.mumm hatte ich auch immer mit Leuten zu tun, die gar nicht mehr in den Arbeitsmarkt wollten. Für die bringt es nichts. Die fragen sich, wofür sie denn überhaupt arbeiten sollen. Viele sind so hoch verschuldet, dass sie finanziell nie mehr bekommen werden als das wenige, was sie jetzt haben. Die Lohnpfändungen fangen ja grad mit dem Einstieg in den Arbeitsmarkt an.

maxi.mumm: Wie konnte Ihnen das maxi.mumm bei Ihrer Integration in den Arbeitsmarkt Unterstützung bieten?

Herr G.: Mit dem Wechsel vom Programm SI (soziale Integration) in die BI (berufliche Integration) wechselte auch mein Aufenthaltsstatus von L nach B und schlussendlich nach C. Dies war sicher ein weiterer Schritt, der mich einer Festanstellung im ersten Arbeitsmarkt näherbrachte. Dann kamen durch die interne Stellenvermittlung die beiden Chancen auf eine Arbeitsstelle, bei denen ich mich beweisen konnte, und dank denen ich heute eine Festanstellung habe.

maxi.mumm: Hatte die Zeit im maxi.mumm auch sonst einen Einfluss auf Ihr Leben?

Herr G.: Die Zeit im maxi.mumm half mir sicher, offener zu werden – während der Arbeit, aber auch im privaten Umfeld. Ich habe mehr Selbstvertrauen, welches mir nun hilft, auf fremde Menschen offener zugehen zu können. Aber an meiner Grundeinstellung zum Leben hat sich nichts geändert.

maxi.mumm: Was waren die ersten Gedanken, als Sie von maxi.mumm hörten?

Herr G.: Ich kannte zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon. Ich liess mich vom maxi.mumm überraschen. Die Arbeiten in den verschiedenen Betrieben gefielen mir grundsätzlich nicht. Aber ich tat halt einfach das, was von mir erwartet wurde. Ich erkannte jedoch, dass es angenehmer ist zu arbeiten, wenn das Team stimmt.

maxi.mumm: Was hat sich in Ihrem privaten Leben verändert, seit Sie wieder im Arbeitsmarkt stehen?

Herr G.: Während meiner Arbeitslosigkeit war der hohe Alkoholkonsum ein Thema, was nicht immer leicht für mich war. Ich zittere mit den Händen, sobald ich Alkohol trinke. Der Hausarzt und der Neurologe haben mir empfohlen, auf jeglichen Alkohol zu verzichten. An das kann ich mich nicht immer halten. Den Konsum habe ich aber soweit im Griff: Ich trinke nur während der arbeitsfreien Zeit.

maxi.mumm: Wie hat sich ihre finanzielle Situation seit der Festanstellung verändert?

Herr G. Meine finanzielle Situation hat sich gar nicht geändert. Das Sozialamt regelt meine komplette finanzielle Situation für mich. Ich bin verschuldet. Der letzte Stand ist Fr. 25'000.--. Der Sozialdienst zahlt mir dieselbe Summe aus wie in der Zeit, als ich noch arbeitslos war. Im Hintergrund werden meine Schulden nun abgebaut, den Überblick habe ich aber nicht. Ich denke, dass ich so etwa die Hälfte geschafft habe - nach vier Jahren. Es handelt sich überwiegend um Krankenkassenschulden. Ich verdiene Brutto Fr. 2'900.—für mein 70%- Arbeitspensum. Ich kann mit diesem Lohn meine Schulden nur scheibchenweise abbauen. Aber in vier bis fünf Jahren – wenn nichts dazwischenkommt – habe ich es geschafft und ich bin schuldenfrei.

maxi.mumm: Auf was freuen Sie sich, wenn Sie wieder schuldenfrei sind?

Herr G.: Ich möchte wieder einmal vernünftig Urlaub machen. Irgendwo nach Italien ans Meer - das ist mein Ausblick. Wenn ich mit 52 Jahren schuldenfrei bin, leiste ich mir das.

maxi.mumm: Was würden sie den aktuellen Teilnehmenden des Vereins maxi.mumm noch gerne auf den Weg mitgeben?

Herr G.: Macht das Beste daraus! Das maxi.mumm bringt nur den Menschen etwas, die auch wollen.

 

Daniela Häusler